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Korallen-Kalzium – Wundermittel oder Beutelschneiderei

In Frauenzeitschriften, Fernsehzeitungen und Boulevard-Blättern prangen in den letzten Wochen seitenweise Werbeanzeigen für das Wundermittel Coral-Care (Nahrungsergänzung). So soll es Rheumatiker von ihren Schmerzen befreien und auch sonst  scheinbar jede Krankheit positiv beeinflussen. Doch was ist dran an dem Wundermittel, das mit einem Packungspreis von 80 € (UVP des Herstellers) ja nicht ganz billig ist?

Was ist Korallen-Kalzium?

Korallen sind im Meer lebende Nesseltiere (mehr dazu bei WIKIPEDIA. Vor allem die Steinkorallen filtern Kalzium-Ionen (Ca²+) und Carbonate (die Salzform der Kohlensäure gelöst im Wasser) aus dem Meer und bilden daraus das unlösliche Calziumcarbonat, das uns als Kalk besser bekannt ist und fast immer am Boden des Wasserkochers zu finden ist.

 

Steinkoralle - copyright by Toby Hudson

Coral Care – das “spezielle” Korallen-Kalzium

Der Hersteller bewirbt sein Präparat wie folgt:

Coral Calcium aus Okinawa ist einzigartig, es enthält ionisiertes, organisches Calcium, eines der wichtigsten Mineralien für gutes Wohlbefinden.
Coral Calcium – reinigt Ihren Körper von gefährlichen Säureabfallprodukten und sorgt somit für einen gesunden Säure-Basen-Haushalt.
Coral Calcium ist ionisiert, es enthält über 70 andere Spurenelemente, plus Magnesium, es ist bioverfügbar und 100% absorbierbar in 20 Minuten

Des weiteren wird behauptet:

Korallen-Kalzium ist dem Kalzium-Aufbau der Knochen sehr ähnlich und wird dadurch vom Körper besser aufgenommen.

Das klingt doch richtig gut, oder? Ja, wenn es denn stimmen würde!

1)organisches Kalzium

Das von den Korallen gebildete Kalzium ist nicht organisch, auch wenn es von Korallen gebildet wird. Es handelt sich schlichtweg um Kalk, einer zur anorganischen Chemie zuzurechnende mineralische Substanz.  Korallen bilden dabei das sogenannte Aragonit, eine Form des kristallinen Kalks (der Kalk im Wasserkocher besteht hauptsächlich aus Calcit).

2) ionisiertes Kalzium

Ionen sind Atome, die ein (oder im Fall des Kalziums zwei) Elektronen abgegeben haben. Kalzium kommt in der Natur nur in gebundener Form vor, auch das Korallen-Kalzium, nämlich als Kalziumcarbonat (verbunden mit Kohlenstoff). Erst wenn es sich in Wasser löst (dafür ist etwas Kohlensäure nötig) bilden sich Kalziumionen aus (Ca²+), die vom Körper aufgenommen werden können. Jedes Kalziumpräparat setzt erst Ionen frei, wenn es aufgelöst wird, spätestens aber durch die Säure im Magen. Die Aussage des Herstellers ist also Unfug und stellt keine Besonderheit da!

3) die gute Resorptionsfähigkeit von Korallen-Kalzium

Das Korallenkalzium, wie auch jede andere Kalk-Abart gehört zur Klasse der Carbonate. Wie der Name schon sagt ist das Kalzium also an Kohlenstoff gebunden. In den Knochen liegt das Kalzium aber hauptsächlich als Phosphat , also an Phosphor gebunden, vor (Hydroxylapatit). Eine besondere Ähnlichkeit des Korallenkalziums (Aragonit, Calciumcarbonat)  zum Knochenkalzium (Hydroxyapatit, Calciumphosphat) ist also schon mal nicht gegeben und kann so auch nicht, wie behauptet, zur besseren Aufnahme verhelfen.

Die Aufnahme des Kalziums im Körper, speziell im Darm wird hauptsächlich von speziellen Transportmolekülen übernommen. Dabei muss es in gelöster Form, also als Ion vorliegen. Alle flüssigen Lösungen, bei denen der Kalk nicht mehr als Flocken sichtbar ist, liegt Kalk in gelöster Form vor, das Kalzium liegt dann im Wasser frei als Ca²+, also als Kalzium-Ion vor. Dieser Teil der Aufnahme ist also nie ein Problem. Viel wichtiger für die Aufnahmefähigkeit des Darms als die Form des zugeführten Kalziums ist die körpereigene Regulation (v.a. durch Vitamin D) und das Vorhandensein bestimmter Substanzen im Darm:
Phytate in der Nahrung (in Vollkornprodukten, Mais, Soja) binden das Kalzium und verhindern dessen Aufnahme genauso wie Oxalate (in Spinat, Rhabarber, Kohl) und gesättigte Fettsäuren (tierische Fette, Fritierfett).
Aminosäuren und Zitronensäure binden ebenfals an das Kalzium, sind jedoch im Darm leicht löslich und helfen so bei der Aufnahme.

4) Körperreinigung durch Korallen-Kalzium

Das ist nicht ganz falsch, auch wenn es nicht ganz richtig formuliert ist. Das Säure-Basen-Gleichgewicht im Körper ist sehr wichtig, da schon kleine Veränderungen des pH-Wertes (also ob ein Gewebe sauer oder basisch ist) die Funktion der körpereigenen Eiweiße verändert. Unsere Ernährung ist generell zu säurelastig (und damit meine ich nicht, dass alles sauer schmeckt :-), da viele Nahrungsbestandteile im Körper Säuren freisetzen, ganz besonders Zucker, Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Getreideerzeugnisse, Kaffee, Tee usw. ) . Die Niere scheidet überschüssige Säuren aus, bis zu einem gewissen Grad. Dann aber muss der Körper andere Lösungen finden, er packt sie da hin, wo sie am wenigsten stören (aus seiner Sicht), nämlich ins Bindegewebe. Dort stören sie aber auch und begünstigen entzündliche Erkrankungen wie Gicht, Rheuma und Arthrose.

Mineralsalze als Nahrungsergänzung können im gewissen Rahmen tatsächlich die Säuren im Körper neutralisieren, allen voran das Kalzium, das im Blut hauptsächlich als Kalziumhydrogencarbonat vorliegt. (Für die chemisch Interessierten: ein Komplex aus Kalzium , Kohlenstoff und einem H+-Ion, das für die saure Eigenschaft der Säure verantwortlich ist. ) Diese Substanz elimiert sozusagen Säure aus dem Blut, die dann von der Niere ausgeschieden werden kann. Also ist die Werbeaussage nicht ganz falsch!

5) Die Mineralstoffe im Korallen-Kalk-Präparat

Die vielen Mineralsalze in dem Präparat sind genauso wenig eine Besonderheit des speziellen Korallen-Kalziums. Praktisch aller mineralischer Kalk wurde von Korallen und Muscheln im Meer gebildet. Selbst der Kalk in den Wasserleitungen (vorallem bei uns in Südbayern) stammt aus diesen Quellen, haben sich doch die Kalkalpen aus dem ehemaligen Meeresboden eines vorzeitlichen Ozeans gebildet.

 

ein Fazit:

Grundsätzlich ist ein mineralisches Basenpräparat nicht ganz verkehrt, auch Coral Care wird (trotz der vielen Werbelügen) eine Säure-Entlastung im Körper bewirken. Aber das rechtfertigt nicht den hohen Preis dieses Präparates, das aus eigentlich selbstverständlichen Dingen mit offensichtlichen Werbelügen und Halbwahrheiten eine Besonderheit bastelt. Wenn Sie sich zu einer Basentherapie entschließen, gehen Sie in die Apotheke oder ins Reformhaus, dort werden Sie viele Präparate gleicher Zusammensetzung finden, nur für einen Bruchteil der Kosten!

 

 

 

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